Wechselkennzeichen

Wechselkennzeichen

Es gelten für ein Wechselkennzeichen genaue Bedingungen. Viele Familien haben in der heutigen Zeit das Problem, nicht ohne ein Zweitfahrzeug auszukommen. Das kann ein zweiter Pkw sein oder auch ein zusätzliches Motorrad, sogar ein Quad ist möglich. Ein zweites Fahrzeug bedeutet für die Betroffenen jedoch auch einen vermehrten Aufwand und doppelte Kosten, da zum Beispiel Zulassung, Steuer und Versicherung doppelt beantragt und auch bezahlt werden müssen.
Muss das wirklich sein?

Es gibt in Deutschland seit Juli 2012 ein sogenanntes Wechselnummernschild, auch Wechselkennzeichen genannt. Dieses Wechselkennzeichen verspricht eine und praktische und kostengünstige Alternative zur Einzelzulassung, da das Kennzeichen für zwei Fahrzeuge gültig ist.

Aus welchem Grund wurde das Wechselkennzeichen eingeführt?

Ursprünglich gab es den Gedanken, durch die Einführung dieses Kennzeichens, elektrische Fahrzeuge zu fördern. Die Hoffnung des Gesetzgebers war, dass die Autofahrer eher über den Kauf eines umweltschonenden und kostensparenden Elektrowagens nachdenken, wenn man für zwei Fahrzeuge nur ein Kennzeichen benötigt.
Dadurch sollte die Autoindustrie einen Aufschwung erleben, weil mehr Autokäufe zustande kämen. Doch bis heute ging diese Rechnung noch nicht auf, da Wechselkennzeichen nur in bestimmten Fällen von Nutzen sind.

Kann jedes Fahrzeug ein Wechselkennzeichen bekommen?

Auf den ersten Blick sieht es sehr verlockend aus, alle besitzenden Fahrzeuge mit einer Nummerntafel zu führen. Jedoch gibt es durch die Gesetzgebung Beschränkungen. Ein Wechselkennzeichen ist nur für einen bestimmten Zeitraum gültig und es gilt nur für zwei Kraftfahrzeuge.
Ein weiterer Punkt ist, dass es nicht für irgendwelche Kraftfahrzeuge gilt. Lediglich Fahrzeuge, die aus bestimmten Klassen kommen, dürfen ein Wechselkennzeichen führen.
Seit dem Jahr 1970 sind von der Europäischen Gemeinschaft die Fahrzeugklassen und Fahrzeuggruppen europaweit einheitlich festgelegt. Nur Fahrzeuge der Klassen M1, O1 und L dürfen mit einem wechselbaren Nummernschild ausgestattet werden.

Definition der Fahrzeugklassen

M1: Personenkraftwagen mit maximal acht Sitzplätzen und dem Fahrersitz. Auch Wohnmobile gehören in diese Klasse.

O1: Anhänger, die eine zulässige Gesamtmasse von 7,5 t nicht überschreiten.

L: Zwei- und dreirädrige Fahrzeuge, sowie vierrädrige Kraftfahrzeuge, die bis zu 550 kg Leergewicht haben.

Wenn man zwei Kraftfahrzeuge aus unterschiedlichen Klassen besitzt, gibt es eine weitere Begrenzung. Diese bestimmt, dass sich nur Kraftfahrzeuge aus derselben Klasse ein Wechselkennzeichen teilen dürfen.
Diese Regel gilt folglich für zwei Kraftanhänger, zwei Motorräder oder aber auch für einen Pkw mit einem Wohnmobil. Wenn der Halter jedoch ein Motorrad und ein Auto besitzt, ist ein Wechselkennzeichen keine Option für ihn.

Bedingungen für ein Wechselkennzeichen

Die Entscheidung, ein Wechselkennzeichen zu beantragen, sollte gut überlegt sein. Es können sich einige Nachteile ergeben, wenn bestimmte Voraussetzungen nicht gegeben sind. Die zwei angemeldeten Fahrzeuge können nicht zeitgleich gefahren werden. Nur ein Kraftfahrzeug mit kompletter Identifizierung darf ich auf deutschen Straßen fortbewegen.  Zusätzlich darf ein Fahrzeug mit Teilkennzeichen nicht das komplette Straßennetz befahren. Das heißt, man darf nicht auf der Straße parken. Für Besitzer, die über keine eigene Abstellmöglichkeit oder Garage verfügen, stellt diese Regelung ein großes Problem dar. In diesem Fall muss der Besitzer einen Platz anmieten. Parkt man dennoch auf einer öffentlichen Straße, drohen Strafen laut Bußkatalog 2018. Fährt man mit einem unvollständigen Kennzeichen, gibt es eine Strafe von 50 Euro, bei Parken ohne ein komplettes Wechselkennzeichen droht ein Bußgeld von 40 Euro.

 

Steuer und Versicherung:

Seit dem Jahr 2012 können auch Anhänger ein Wechselkennzeichen bekommen.
Wenn Besitzer über ein Wechselkennzeichen nachdenken, kennen sie meistens nur das Wechselkennzeichen aus Österreich. Im Nachbarland bietet ein wechselbares Nummernschild in der Tat etliche Vorteile. In Österreich dürfen bis zu drei Kraftfahrzeuge derselben Klasse mit einem Wechselkennzeichen registriert werden. Des Weiteren wird nur das teuerste der Fahrzeuge besteuert. Dadurch können sich Österreicher jedes Jahr eine ordentliche Summe sparen. In Deutschland setzt sich der ADAC dafür ein, das Modell aus Österreich einzuführen. Der Gesetzgeber hatte zwar diese Regelung im Sinn, als die Regelung für Deutschland entworfen wurde, diese wurde jedoch abgelehnt. Der Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble meinte, dass es dadurch zu stark verringerten Steuereinnahmen kommen würde und legte dadurch das ausschlaggebende Veto ein.

Es wird also keine Steuer durch ein Wechselkennzeichen gespart. Man muss den vollen Satz für beide Kraftfahrzeuge bezahlen.

Wie reagieren Versicherungen auf ein Wechselkennzeichen?

Man kann sich unter Umständen bei Versicherungen ein paar Euro im Jahr einsparen, wenn man Besitzer eines wechselbaren Kennzeichens ist. Da sich immer nur eines der angemeldeten Fahrzeuge auf den Straßen befinden darf, minimiert sich das Risiko der Versicherung. Das Risiko ist bedeutend höher, wenn beide Fahrzeuge extra angemeldet sind. Viele Versicherungen bieten für Besitzer eines Wechselkennzeichens einen Rabatt an. In den meisten Fällen wird ein Rabatt von 10 und 25 Prozent vorgeschlagen, obwohl sich das Risiko der zuständigen Versicherung durch ein wechselbares Kennzeichen halbiert.
Es wird auch die verringerte Fahrleistung der Kraftfahrzeuge von manchen Versicherungen miteinbezogen. In Deutschland variieren die Angebote sehr stark und es wird empfohlen, unterschiedliche Kostenvorschläge anzusehen, bevor man sich für eine Versicherung entscheidet.
Jedoch haben die Versicherungen durch die Wechselkennzeichen einen höheren Bearbeitungsaufwand.

 

Wie wird man zum Wechselkennzeichenhalter?

Folgende Schritte müssen befolgt werden, damit eine Zulassung ohne Probleme funktioniert:

Beide Fahrzeuge müssen über eine gültige Versicherung verfügen. Nachgewiesen wird sie durch die elektronische Versicherungsbestätigungsnummer (eVB-Nummer). Jedes Kraftfahrzeug benötigt eine eigene Nummer.
Mann kann sich online ein Wunschkennzeichen reservieren lassen, bevor man zur Zulassungsstelle geht. Gerade bei Wechselkennzeichen ist das Wunschkennzeichen sehr beliebt, da der Besitzer zwei fortlaufende Nummern reservieren kann. Dieser Schritt ist jedoch auf freiwilliger Basis. Auf dem Landratsamt wird dem Besitzer anschließend ein Kennzeichen zugeordnet, sollte kein Wunschkennzeichen reserviert worden sein.

Bei der Zulassungsstelle muss man folgende Unterlagen vorlegen:

  • Fahrzeugschein (für beide Kraftfahrzeuge)
  • Fahrzeugbrief (für beide Kraftfahrzeuge)
  • Kennzeichen beider Fahrzeuge
  • Personalausweis oder Pass
  • Nachweis zur Abgasuntersuchung und HU (beider Kraftfahrzeuge)
  • eVB-Nummer (beider Kraftfahrzeuge)

Wenn man das Wechselkennzeichen angemeldet hat, muss man direkt im Anschluss die vorgesehenen Schilder besorgen. Pro Kennzeichen bekommt man drei einzelne Schilder, die beiden festen Teile und das mobile Element. Der mobile Teil wird immer an dem Fahrzeug montiert, welches gerade in Benutzung ist.

Ist ein Wechselkennzeichen in Deutschland sinnlos?

Bringt ein wechselbares Kennzeichen auch Vorteile mit sich? Es gibt keine exakten Zahlen, doch in Deutschland wird das Wechselkennzeichen nur sehr wenig beantragt. Pro Jahr rechnet der deutsche Staat mit etwa 54000 Neukunden. Dennoch bleibt die Nachfrage weit hinter den erwarteten Anmeldungen zurück. Nur 2115 Wechselkennzeichen wurden im ersten halben Jahr nach der Einführung des Gesetzes im Jahr 2012 ausgegeben. Besonders die starken Unterschiede zum österreichischen Modell tragen durch die schlechten, steuerlichen Vergünstigungen dazu bei, dass das Wechselkennzeichen keinen besonderen Anklang bei den Fahrzeugbesitzern findet.

Wahrlich verfügt das Pärchenkennzeichen über nur sehr wenige Pluspunkte für die meisten Motorrad- und Autobesitzer.

Besonders das Parkgesetz wird von sehr vielen Motorrad- und Autofahrern als sehr ungerecht empfunden. Die Besitzer zahlen den vollen Steuersatz für beide Fahrzeuge und dieser erlaubt normalerweise das Parken auf öffentlichen Straßen.

Oftmals wird das Wechselkennzeichen auch als Alternative zu einem Saisonkennzeichen vorgeschlagen. Ein Saisonkennzeichen wird meistens von Motorradfahrern genutzt. Im Sommer benutzen sie das Motorrad und im Winter das Auto. Das Motorrad muss jedoch extra angemeldet werden.

Ist man Besitzer eines Oldtimers, ist ein Wechselkennzeichen durchaus interessant. In der Regel besitzen Fahrer eines Oldtimers eine überdachte Parkmöglichkeit, um das Auto zu schützen. In dieser Garage kann dann das Zweitauto stehen, das gerade nicht genützt wird.

Lohnt sich ein Wechselkennzeichen bei Wohnmobilen, Hänger und Motorrädern?

Es sollte gut abgewogen werden, ob sich ein wechselbares Kennzeichen lohnt. Wenn man ein Auto und ein Wohnmobil, sowie eine passende Parkmöglichkeit auf privatem Gelände besitzt, kann ein Wechselkennzeichen eine gute und passende Alternative sein. Wenn man in Urlaub fährt, kann das Auto in der Garage bleiben.
In diesem Fall müssen die Vor- und Nachteile gegenüber eines Saisonkennzeichens gegenübergestellt werden. Das Saisonkennzeichen ist in der Versicherung und in der Steuer etwas kostengünstiger. Jedoch wird die Nutzung der Kraftfahrzeuge auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt. Allerdings sind spontane Ausflüge und Urlaube trotzdem möglich.
Auch bei einem Besitz von mehreren Anhängern unter 750 Kilogramm lohnt sich ein Doppelkennzeichen.
Doch auch in diesen Situationen kann nicht immer zu einem Wechselkennzeichen geraten werden. In allen Fällen muss der geeignete Platz für das Fahrzeug vorhanden sein, das gerade nicht benutzt wird. Muss man einen Parkplatz oder eine Garage mieten, erhöhen sich die zusätzlichen Kosten und ein Wechselkennzeichen kann sich unter Umständen als unrentabel herausstellen.

Ob sich die Anschaffung eines wechselbaren Kennzeichens wirklich rentiert, hängt also von den Konditionen der gewählten Versicherung, der Klassen der Kraftfahrzeuge und der vorhandenen Abstellmöglichkeiten ab. Für Großunternehmer kann sich durch Vergünstigungen der Versicherungen ein wechselbares Kennzeichen durchaus lohnen. Allerdings wird vorausgesetzt, dass die Fahrzeuge nicht gleichzeitig genutzt werden – eine sehr seltene Situation.

Der ADAC hat festgestellt, dass die Bestimmung (auch als „kleine Wechselzeichenlösung“ bekannt) keine Möglichkeit hatte, seine Wirkung zu entfalten. Es entstanden bei der Einführung dieser Regelung circa 20 Millionen Euro an Kosten.

2018-10-22T15:19:23+00:00

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